• Julia

"Was ich nicht mag: Streit." Warum eigentlich?

Meine Tochter brachte vor ein paar Tagen eines dieser „Meine Kindergartenfreunde“ Bücher zum Ausfüllen mit nach Hause. Einer der Punkte: „Was ich gar nicht mag“. Meist gegebene Antwort (der Eltern!?): „Streit“. Meine Tochter hat die Möglichkeiten ergänzt durch „gebissen werden, Krokodile und Ampeln“ ;-)

Streit. So ein großes Wort. Und niemand mag ihn, den Streit. Wir wollen uns doch alle nur gut verstehen.

Warum mögen wir den Streit nicht? Wenn er doch eine Art von Begegnung ist, die verhältnismäßig oft passiert?

Die Bedeutung von Streit ist ein „heftiges Sichauseinandersetzen“. Ein Synonym für Streit ist Konflikt (von lateinisch „confligere“ = „zusammenprallen“): Der Duden sagt „durch das Aufeinanderprallen widerstreitender Auffassungen, Interessen o. Ä. entstandene schwierige Situation, die zum Zerwürfnis führen kann“.

Wir alle sind Menschen mit ganz eigenen Vorstellungen, Auffassungen, Interessen. Mit ganz eigenen persönlichen Grenzen und vor allem ganz eigenen Bedürfnissen und Emotionen. Im Umgang mit anderen kann es sehr schnell zum Aufeinanderprallen dieser Unterschiedlichkeit kommen. Das passiert häufig und einfach, weil wir mit anderen Menschen in Kontakt kommen. Versuchen wir den Streit zu unterdrücken und den Konflikt nicht auszutragen („Nicht streiten!“), bedeutet das automatisch, dass zumindest eine Person in der Streitkonstellation keine Chance hat, mit seinen Wünschen und Emotionen gesehen zu werden. Alles das, was in uns ist, kann dann nicht raus.


Streit als etwas Positives sehen?/.

Betrachten wir den Streit oder Konflikt für einen Moment mal nicht als etwas, dass wir verhindern und nicht haben möchten. Was wäre dann? Streit findet nach wie vor statt! Denn so sehr wir uns ein absolut harmonisches Zusammenleben mit allen wünschen – wenn wir uns mit unseren Eigenheiten zeigen, entstehen Konflikte. Und diese können durchaus konstruktiv sein, uns in der Beziehung zu anderen weiterbringen. Ich möchte sogar soweit gehen zu sagen, dass uns die kritischen, streitvollen Momente mit unserem Gegenüber letztlich näher zusammenbringen und uns in unserer Unterschiedlichkeit akzeptieren lassen!


Was es für diese Sichtweise auf Streit braucht: 1. Streit als etwas Positives betrachten, es als eine Form des „in Beziehung gehen“ anerkennen 2. Werkzeuge und einen konstruktiven Umgang mit Streit


Ganz oft haben wir keine Streitkultur gelernt, denn „nicht streiten!“ wurde Generation nach Generation eingetrichtert. Wie gut, dass wir nun anders an die Sache rangehen können! Anstatt das Aufeinanderprallen der Unterschiedlichkeiten zu unterdrücken und runterzuschlucken können wir es erst einmal annehmen. Als etwas, das ist, das nicht negativ ist, das sein darf und uns sogar weiterbringen kann.

Werkzeuge für den konstruktiven Umgang mit Streit – da wird die Sache manchmal schon schwierig und kompliziert. Gerade in Stresssituationen greifen wir auf die Handlungsmöglichkeiten zurück, die wir als Kind gelernt und verinnerlicht haben. Wir wissen oftmals gar nicht, mit Streit konstruktiv umzugehen, werden hilflos und verfallen ins alte Muster – Streit unterdrücken, in einen Angriffskampf gehen, verletzen.

Mögliche Werkzeuge für eine konstruktive Streitkultur sind: Persönliche Sprache, eigene Grenzen kennen und deutlich machen, Verletztheit zeigen, Empathie aufbringen, sich Zeit nehmen und lassen, Lösungen für alle Beteiligten suchen.


Das füllt sicher einen anderen Post und ich komme darauf gerne in ein paar Tagen zurück. Für den Moment können wir uns in Streitsituationen an Punkt 1 erinnern: Aus Streit heraus kann etwas Positives entstehen, es ist Teil davon, dass wir uns zeigen und in Beziehung mit anderen treten. Das alleine im Moment zu sehen ist schon ein großes Übungsfeld – viel Spaß dabei! :-)


Was fällt euch noch zu Streit ein?


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#denstreitmitanderenaugensehen

#konstruktivesstreiten


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