• Julia

Streit, die zweite

Der erste Blogpost zum Thema ist nun doch schon länger her, es ging darum, dass wir Streit mal als etwas Positives betrachten dürfen.


Worauf sollten wir im Streit also versuchen zu achten, damit uns die Negativspirale nicht doch wieder in ihren Bann zieht?

Eins der Schlüsselwörter, die ich für mich ausgemacht habe heißt ACHTSAMKEIT. Mit ihr steht und fällt letztlich jede „erfolgreiche“ Kommunikation. Achtsam mit den eigenen Wörtern umgehen. Achtsam auf seine eigenen Gefühle und Bedürfnisse und dann auch achtsam auf die des Gegenübers zu achten, sie wahrzunehmen.

Achtsamkeit geht mit Bewusstheit Hand in Hand. Ich kann nur dann wirklich achtsam sein, wenn ich mir einiger Abläufe und Strukturen bewusst werde. Ein im Streit häufiger Ablauf ist die mögliche „Ausschaltung“ der kognitiven Gehirnhälfte durch die emotionale. Geraten wir unter Stress, fühlen uns beispielsweise schnell angegriffen, können unsere Gefühle unseren Verstand „ausschalten“ (Ich will das keinesfalls verteufeln, es rettet Leben!). Emotionen bewegen uns – im Streit reagieren wir vielleicht über. Sind wir uns dessen bewusst haben wir mehr und mehr die Möglichkeit, den Stress und somit die Emotionen nicht überhand nehmen zu lassen. Wir können beispielsweise ein paar Sekunden mit der Reaktion auf den vermeintlichen Angriff warten, tief durchatmen und uns dann die Zeit nehmen, nicht überzureagieren. Nein, das ist nicht leicht und Ja, das erfordert Übung. Die es sich lohnt zu investieren!

Wie konstruktiv könnte Streit sein, wenn wir letztlich nur über das tatsächliche Thema diskutieren würden!? Wir könnten dann wirklich Lösungen finden. Achtsamkeit ist ein Schritt dahin.


Weiter ist es wichtig, dass wir lernen uns in persönlicher Sprache auszudrücken und auch inhaltlich bei uns und beim Thema zu bleiben. „DU machst immer wieder diesen Fehler und DU bist SCHULD, dass wir hier streiten!“ ist wenig hilfreich (siehe: Angriff und seine Folgen). Stattdessen können wir sagen „Ich ärgere mich darüber, wie es hier gerade läuft und möchte das ändern“. Auch muss nicht alles aus unserem Kopf gesagt werden! Wörter und Sätze, die einfach nur verletzen sollen runterzuschlucken ist sehr wichtig! Wir alle haben verletzende Phrasen verinnerlicht und gerne wollen sie raus. Seien wir uns bewusst, dass die innere Stimme nicht immer etwas Gutes zu sagen hat und auch mal den Mund halten darf!


„Ich bin doch achtsam, nur ER/SIE sieht das nicht!“ denkst du jetzt vielleicht. Wenn wir immer wieder den Eindruck haben, dass unser Gegenüber trotz unserer gewählten Worte uns angreifen möchte, ist es durchaus sinnvoll, in einem ruhigeren Moment einmal zu gucken, ob etwas anderes dahintersteckt! Wie oft streiten wir uns über etwas, das mehr als Stellvertreteretwas dient (die offene Zahnpastatube, die Gürtel, die immer wieder einfach mit der Hose in die Wäsche gesteckt werden, die fehlende Hilfe bei etwas…). Dieser Ärger über vermeintliche Kleinigkeiten ist häufig eine sensible Anzeige dafür, dass in der Beziehung oder in mir etwas in Schieflage geraten ist. Streit unter Kindern oder mit Kindern ist meist viel extremer, wenn müde, Hunger, Pipi gerade akut sind!


Und wo wir gerade bei Kindern sind - eine rumliegende Puppe kann auch eine Rolle im positiven Streit spielen: Im Eifer des Gefechts tappen wir schnell in die Falle, den anderen partout nicht ausreden lassen zu wollen. Ein absoluter Streitkiller, wenn wir positiv streiten wollen! Hier hilft ein kleines Hilfsmittel: Einigt euch darauf, euch ausreden lassen zu wollen, nehmt hierzu einen Gegenstand- wer das Teil in der Hand hat, spricht. Ihr könnt weiter auch Regeln vereinbaren. Was und wie wollt ihr es lösen, wenn einer doch schnell was dazwischenfragen möchte etc.?


Nehmt euch Zeit für euren Streit – das ist ein schwieriger Punkt. Im Zweifel macht es dennoch wirklich Sinn, eine hitzige Alltagssituation zu unterbrechen und auf später zu vertagen. Besprecht, dass es in Ordnung ist, dass einer im Moment „Stop“ sagt und ihr die nächsten Gedanken vorerst noch für euch behaltet. Streit funktioniert besser, wenn er weniger heiß gekocht ist ;-)


Ein wesentlicher, wenn nicht DER wesentliche Punkt hin zu einem konstruktiven, positiven Streit ist aus meiner Sicht folgende Grundannahme:

WIR MEINEN ES GUT MITEINANDER. WIR MÖGEN UNS UND WOLLEN AN EINER GUTEN BEZIEHUNG ZUEINANDER ARBEITEN!



8 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen